• Ev.-luth. St. Marien Kirchengemeinde - Isenbüttel

Andachtsblatt P. Eisel zum 03.05.20

Dritter Sonntag nach Ostern: Jubilate, 03.05.20

 

Wochenspruch: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2 Korinther 5,17)

 


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In Christus neu werden … geht das überhaupt? …

Wie kann in uns und an uns das Alte vergehen und Neues werden? …

 

Der Wochenspruch zum Sonntag Jubilate stellt uns vor eine schwierige Herausforderung. Wenn Paulus davon spricht, dass wir dadurch, dass wir, die wir zu Christus gehören, getauft sind und an ihn glauben, eine neue Kreatur sind, was ist dann mit dem Alten in uns und an uns? So einfach ist das nicht mit dem „Neu-Werden“!

 

Auch dann, wenn wir noch so gerne die „Reset-Taste“ drücken und neu starten würden – in unserem Leben, in unseren Beziehungen, in unseren Gewohnheiten, unseren Vorlieben oder unserem Beruf, … wir bringen immer „das Alte“ mit: woher wir kommen, wie wir geworden sind. Wir haben unseren je eigenen Charakter, unsere Eigenschaften – eben das, was uns ausmacht, uns auszeichnet; aber auch das, was nicht schön und gut ist.

 

Doch Etwas kann neu werden:

Nämlich wie wir gesehen werden – wie Gott uns sieht oder die Menschen, mit denen wir zu tun haben.

 

Bei Gott gibt es immer einen Neuanfang, eine neue Chance solange wir leben, weil er uns liebt und wir ihm nicht egal sind. In Christus sieht Gott uns mit neuen Augen, erscheinen wir als neue Menschen, die nicht aus sich selbst heraus sind, was sie sind, sondern weil sie in Christus beschenkt wurden – zu dem gemacht wurden, wie sie vor Gott dastehen: eine Neuschöpfung aus Gottes Liebe und Güte.

 

Gott hat Großes an uns und für uns getan. Davon spricht Paulus unmittelbar vor dem Vers, der uns als Wochenspruch
begleitet. Wir stehen in einem neuen Verhältnis zu Gott, weil Christus für alle gestorben ist, damit die Lebenden nicht mehr aus sich selbst und für sich selbst leben, sondern dem, „der für sie gestorben ist und der auferweckt wurde“ (2. Korinther 5,15). Weil Gottes Liebe unserer Existenz vorausgeht, werden im Psalm 66 alle Menschen aufgefordert, Gott zu jauchzen und ihm zu lobsingen:

 

„Jauchzet Gott alle Lande!

Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

 

Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner Macht.

Alles Land bete dich an uns lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.

Kommt her uns sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. …

 

Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsere Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten.“

 

„Jubilate Deo“ – Jauchzet Gott! Lobsingt ihm, dass er das Alte in Neues verwandelt hat und uns die Hoffnung behält, dass wir ewig leben, wenn wir in Christus bleiben.

 

Von diesem Bleiben spricht auch das Evangelium zum Sonntag „Jubilate“, in dem Jesus in einem Bildwort spricht, in dem deutlich werden soll, wer wir sind und welcher Beziehung wir zu Christus stehen:

 

Christus spricht: „Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich, könnt ihr nichts tun.“
(Johannes 15,5)

 


 

Jesus bezeichnet seinen Vater als Weingärtner oder Winzer, der seinen Weinstock reinigt und ausschneidet, damit die Reben, die Frucht tragen, noch bessere und größere Trauben bringen.

 

Wir sind eingepfropft in den zuverlässigen Weinstock, der seine Ranken mit genügend Wasser und Nährstoffen versorgt. Ganz eng verbunden an und in diesem Christus zu leben, ist die Voraussetzung dafür, dass Früchte des Glaubens sichtbar werden und die Christen sich als Jünger/Schüler Jesu im Alltag bewähren. Dort, wo Früchte des Glaubens erfahrbar sind, ehren die Menschen Gott, unsern Vater, wenn sie hören, dass er es ist, der uns als Weingärtner umsorgt und pflegt und so die dafür sorgt, dass etwas Gutes wachsen kann.
Allerdings ist die Voraussetzung für das Wachsen der Früchte, dass die Christen in Christus bleiben und seine Worte in uns bleiben.

        F. Eisel

 

Fürbitten

 

Herr Jesus Christus, Du bist der wahre Weinstock. Du versorgst uns mit allen, was wir zum Wachsen und Fruchtbringen benötigen. Wir danken Dir dafür und wollen uns darin einüben, auf Dich und Dein Wort zu vertrauen.

 

Herr, unser Gott, Du schenkst das Wachsen und Reifen. Du lässt es in unserm Land regnen und uns die Sonne scheinen.

Wir bitten Dich, schenke Geduld und Ausdauer in der gegenwärtigen Corona-Krise, damit wir im Miteinander dazu beitragen, eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden, indem wir in rücksichtsvoller Liebe die Menschen schützen, die zu den Risikogruppen gehören.

 

Herr, sei bei den Rettungskräften und den Pflegenden. Schütze sie, dass sie sich nicht selbst infizieren und gib ihnen die Kraft, denen beizustehen, die ihre Hilfe und Zuwendung brauchen.

Herr, lass bei uns Früchte des Glaubens wachsen, von denen diejenigen profitieren können, die Zuwendung und Hilfe brauchen.

Wir bitten Dich Herr, tröste alle, die einsam oder mutlos sind und schenke ihnen und uns Lebens-Hoffnung, weil Du uns ganz nahe bist, uns versorgst auch in Zeiten der Trockenheit, in denen unsere Kraft an ihre Grenzen kommt. Das bitten wir Dich, durch Jesus Christus, unserm Herrn. Amen

 

Vaterunser, …

 

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 


 

Andachtsblatt P. Eisel zum 26.04.20


Zweiter Sonntag nach Ostern:
Misericordias Domini, 26.04.20

Wochenspruch: Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“
(Johannes 10,11.27f.) 


Der gute Hirte geht seinen Schafen voraus. Er leitet und führt sie und sorgt dafür, dass sie Futter auf der Weide finden und Wasser zum Trinken.
Manche bezeichnen den 2. Sonntag nach Ostern als „Hirtensonntag“, weil Jesus, der gute Hirte im Zentrum der Verkündigung steht. Ist es da etwa eine Anmaßung, wenn Bischof Apollinaris sich in der Apsis der romanischen Basilica inmitten von Schafen in kunstvollen Mosaiken abbilden ließ? – Nein, ich denke nicht, denn er steht auf derselben Ebene, wie die Schafe um ihn und über ihnen allen steht Christus im Zentrum der Apsis–

zum einen verborgen in der Mitte des Kreuzes als Heil der Welt und …

zum andern als auferstandener Herr, der in den Himmel erhöht wurde und über der ganzen Welt steht –
alle Menschen aber leben gemeinsam unter ihm, dem einen guten Hirten.

 

So gibt es in der Kirche kein „oben und unten“, sondern nur den einen Herrn über allen, der durch sein Kreuz und seine Auferstehung die Voraussetzung für die Rettung und das Leben der Welt geschaffen hat.
Diesem Hirten nachzufolgen, darauf kommt es an. Wie aber gelingt ein Leben in der Nachfolge?

Petrus
, einer der Apostel Jesu, beschreibt das in seinem 1. Brief im Neuen Testament, der als Predigttext zum Sonntag Misericordias Domini vorgeschlagen ist (1. Petrus 2,21-25):
„Dazu seid ihr berufen, da Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen…“
Gott hat uns berufen, wir sind eingeladen mitzugehen, er möchte damit, dass wir hineingenommen werden in die Gemeinschaft der Gläubigen.Damit wir uns aber abschauen können, wie ein Lebensweg gelingen kann, hören wir im Neuen Testament von dem, was Jesus tat und sagte und seine „Anhänger“ nach ihm. An ihnen ein Beispiel zu nehmen in unserer Zeit, in unseren Lebensbedingungen und -bezügen, das ist die Kunst.

Das Wort „Vorbild“ ist mir zu abstrakt wiedergegeben. Hier ist davon die Rede, dass Christus mit seinem Reden und Tun uns etwas vorgezeichnet, vorgeschrieben hat, das wir nachmalen – so, wie die Erstklässler, die auf diese Weise die Schreibschrift lernen. Von ihm und auch von denen, die vor uns gelebt haben, können wir lernen, etwas „abkupfern“, wie Leben gelingen kann.

 

In einem zweiten Bildwort spricht Petrus von den „Fußstapfen“, denen die Christen nachfolgen sollen. Manchen sind Fußstapfen der „Vorgänger“ vielleicht zu groß, anderen wiederum zu klein – sie wollen eigene Wege gehen. Petrus macht deutlich: Wir betreten nicht als Pioniere ausgesprochen selten Neuland. Vor uns sind Menschen schon diese Wege gegangen, nach uns werden Menschen ähnliche oder gleiche Trampelpfade gehen.

Ein „Trampelpfad“ zeigt an, da ist schon jemand vor uns entlang gegangen, an diesem Pfad kann ich mich orientieren – der hat sich bewährt und wird mich durch unbekanntes Terrain führen. 

Jesus Christus gibt uns Hilfe und Orientierung, damit wir lernen, unseren Lebensweg zu finden und diesen auch „gebildet“ durch Christus in Krisenzeiten zu bestehen. Der gute Hirte ist da, Jesus ist uns nahe, weil er auferstanden ist und als Herr des Lebens ewig beim Vater ist – auch wenn wir ihn nicht genauso sehen können, wie seine Begleiter damals.
Wer ihm vertraut, sich an seinem Wort orientiert und bereit ist, eine christliche Lebensweise einzuüben und seine Wege mit Jesus zu gehen, wird nicht in die Irre gehen. Darüber hinaus haben wir die Hoffnung, dass uns der gute Hirte suchen wird und finden wird, wenn wir uns in irgendeiner Sache „verstiegen haben“ und uns wieder zurückbringt, zum guten „Hirten und Bischof eurer Seelen“ (1. Petrus 2,25).

F. Eisel

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du bist unser guter Hirte. Du kennst unseren Weg und weißt wohin uns diese Corona-Krise führen wird. Wir vertrauen auf Dich. Herr, in unserem Land macht sich die Ungeduld breit und viele Menschen sehnen sich zurück zum Normalzustand unserer Gesellschaft. Gib uns Geduld und Ausdauer, damit wir dazu beitragen, eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden, indem wir in rücksichtsvoller Liebe miteinander umgehen und die schützen, die zu den Risikogruppen gehören.

Herr, sei bei den Rettungskräften und den Pflegenden. Schütze sie, dass sie sich nicht selbst infizieren und gib ihnen die Kraft, denen beizustehen, die ihre Hilfe und Zuwendung brauchen.Herr, zeige uns, wo wir helfen können und wie wir in Deiner Nachfolge unsern Nächsten Deine Liebe bezeugen können. Herr, tröste alle, die einsam oder krank sind, alle, die um den Verlust eines lieben Menschen trauern und schenke ihnen und uns Lebens-Hoffnung, weil Du mit uns gehst, uns den Weg zeigst und uns trägst, wenn unsere Kraft an ihre Grenzen kommt. Das bitten wir Dich, durch Jesus Christus, unserm Herrn. Amen

Vaterunser, …

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.

„Misericordias Domini in aeternum cantabo.“ – „Ich will singen, von der Gnade des Herrn“ (Ps 89,2)