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Andachtsblatt P. Eisel zum 10.05.20 – Ev.-luth. St. Marien Kirchengemeinde – Isenbüttel

Andachtsblatt P. Eisel zum 10.05.20

Andachtsblatt P. Eisel zum 10.05.20

Vierter Sonntag nach Ostern: Kantate, 10.05.20

 

Wochenspruch: Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder. (Psalm 98,1)

 


Foto: F. Eisel            

 

Mit dem Wochenspruch werden wir zum Singen ermuntert – und das in einer Zeit, in der das Singen in der Kirche nicht erlaubt ist, weil die Aerosole beim Singen mit der Atemluft zu weit fliegen und unsere Mitmenschen infizieren könnten. Doppelt schade, dass wir am Sonntag „Kantate“ nicht so singen können, wie wir gerne täten.

 

ABER: Welches sind denn die Wunder, von denen wir singen sollen? …

Davon spricht der Psalm 98 selbst: „Der HERR lässt sein Heil verkündigen, vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. …“

 

Gott lässt im Alten Testament durch seine Propheten sein Heil verkündigen und er tut es bis heute auch im Neuen Testament durch seine Apostel, die davon erzählen, dass Gott in Jesus Christus etwas ganz Großes getan hat. Gott hat durch Jesus Wunder geschehen lassen – und nach seiner Kreuzigung das größte Wunder überhaupt in der Auferstehung.

 

Jesus Christus, der König der Juden, der als Jude lebte macht Gottes Gerechtigkeit offenbar, die nicht mehr bedeutet: Gerechtigkeit aus dem Gehorsam dem Gesetz gegenüber, sondern Gerechtigkeit aus dem Glauben. Denn so sagt es Paulus im Brief an die Epheser (2,8): „Aus Gnade sind wir selig gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“

 

Die farbige Rosette in unserer Kirche kann man nur sehen, wenn man von der Emporen-Ebene zur Treppe geht, die zur Kirchturmuhr und den Glocken führt. Diese Rosette bildet den Davidstern ab.

 

Hier eine sehr alte Abbildung aus einer der mittelalterlichen Handschriften. Das Symbol besteht aus zwei ineinander verwobenen Dreiecken.

Der Davidstern ist ein Symbol des Volkes Israel und des Judentums, in das Jesus Christus hineingeboren wurde.

 

Wer nun einmal genau auf die farbigen Glasscheiben in der Rosette achtet, erkennt, dass die rechte rote Scheibe ausgebessert wurde. Man sieht Fingerabdruckspuren im Kitt. Denn ursprünglich war die rechte Dreieckspitze aus grünem Glas gefertigt und es entstand ein grünes und ein rotes Dreieck. Auch das weiße Glas wurde nachträglich ausgebessert – möglicherweise hatte der Glaser kein gelbes Glas zur Hand.

Die Rosette über der Eingangstür unserer Kirche symbolisiert den Davidstern und verweist auf die Wurzeln unseres christlichen Glaubens, nämlich das Judentum. Ihm hat sich Gott zuerst offenbart. Zu Gott hat Israel gebetet – auch wir singen Gott bis heute Psalmen.

 

Das nach unten weisende Dreieck im Davidsstern besagt: Der Mensch hat sein Leben von Gott erhalten. Das nach oben weisende Dreieck besagt: Der Mensch wird zu Gott zurückkehren. Die zwölf Ecken des Sterns weisen auf die 12 Stämme Israels. Die 6 Dreiecke stehen für die 6 Schöpfungstage und das große Sechseck in der Mitte steht für den siebten Tag, den Ruhetag.

 

Nun feiern wir als Christen nicht mehr am 7. Tag der Woche unseren Feiertag (Samstag) nach der alten Schöpfungsordnung, sondern am 1. Tag der Woche, dem Auferstehungstag, weil Gott an ihm in Jesus Christus die Neuschöpfung begonnen hat.

 

Das Evangelium zum Sonntag Kantate (Lukas 19,37-40) berichtet von Jesus, dem König des Lebens, folgendermaßen: Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über die Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen:

Gelobt sei, der da kommt, der König in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: „Meister, wiese doch deine Jünger zurecht!“
Er aber antwortete und sprach: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

 

Können Steine schreien? In Isenbüttel St. Marien können sie es!

Wir sind ein Volk unter dem einem König und Herrn, Jesus Christus, dem König der Juden.

 

An zwei Seiten des Turmes, etwas oberhalb des Davidsterns sind zwei Kreuze im Mauerwerk eingelassen. Sie verkünden nach allen Seiten hin, das Symbol, das bei Paulus als das eine Zeichen für Kreuz und Auferstehung Verwendung findet. Der Gekreuzigte ist nicht mehr im Grab. Er lebt. Und vom Leben dieses Christus zeugen die Christen, die sich in diesem Gotteshaus versammeln.

 

Ja, Steine schreien. Sie rufen, so wie unsere Glocken zum Gottesdienst, damit wir in Corona-Zeiten zwar mit dem Mund schweigen, aber mit dem Herzen schreien und rufen: „Gelobt sei, der das kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ (Luk. 19,38)

        F. Eisel

 

 

Fürbitten

 

Herr Jesus Christus, Du König des Lebens, wir rufen zu Dir:

Kyrie eleison, Herr, erbarme Dich und hilf deinem Volk, dass es niemals mehr Sündenböcke sucht und findet, so wie es im Nationalsozialismus das Volk der Juden gewesen ist. Bewahre uns davor, die Menschen zu verachten und auszugrenzen, die Du geschaffen hast als Deine Geschöpfe,

wie uns selbst.

Wir danken Dir, dass der 2. Weltkrieg vor 75 Jahren sein Ende fand.

Bewahre uns davor, dass nie wieder Größenwahn und Machtstreben in unserem Land dazu führen, dass Millionen Menschen sterben müssen, sondern schenke uns allen das Leben, für das Dein Sohn gestorben ist.

Das bitten wir Dich, durch Jesus Christus, unserm Herrn. Amen

 

Vaterunser, …

 

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 


 

Karl Meyer

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