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Andachtsblatt P. Eisel zum 26.04.20 – Ev.-luth. St. Marien Kirchengemeinde – Isenbüttel

Andachtsblatt P. Eisel zum 26.04.20

Andachtsblatt P. Eisel zum 26.04.20


Zweiter Sonntag nach Ostern:
Misericordias Domini, 26.04.20

Wochenspruch: Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“
(Johannes 10,11.27f.) 


Der gute Hirte geht seinen Schafen voraus. Er leitet und führt sie und sorgt dafür, dass sie Futter auf der Weide finden und Wasser zum Trinken.
Manche bezeichnen den 2. Sonntag nach Ostern als „Hirtensonntag“, weil Jesus, der gute Hirte im Zentrum der Verkündigung steht. Ist es da etwa eine Anmaßung, wenn Bischof Apollinaris sich in der Apsis der romanischen Basilica inmitten von Schafen in kunstvollen Mosaiken abbilden ließ? – Nein, ich denke nicht, denn er steht auf derselben Ebene, wie die Schafe um ihn und über ihnen allen steht Christus im Zentrum der Apsis–

zum einen verborgen in der Mitte des Kreuzes als Heil der Welt und …

zum andern als auferstandener Herr, der in den Himmel erhöht wurde und über der ganzen Welt steht –
alle Menschen aber leben gemeinsam unter ihm, dem einen guten Hirten.

 

So gibt es in der Kirche kein „oben und unten“, sondern nur den einen Herrn über allen, der durch sein Kreuz und seine Auferstehung die Voraussetzung für die Rettung und das Leben der Welt geschaffen hat.
Diesem Hirten nachzufolgen, darauf kommt es an. Wie aber gelingt ein Leben in der Nachfolge?

Petrus
, einer der Apostel Jesu, beschreibt das in seinem 1. Brief im Neuen Testament, der als Predigttext zum Sonntag Misericordias Domini vorgeschlagen ist (1. Petrus 2,21-25):
„Dazu seid ihr berufen, da Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen…“
Gott hat uns berufen, wir sind eingeladen mitzugehen, er möchte damit, dass wir hineingenommen werden in die Gemeinschaft der Gläubigen.Damit wir uns aber abschauen können, wie ein Lebensweg gelingen kann, hören wir im Neuen Testament von dem, was Jesus tat und sagte und seine „Anhänger“ nach ihm. An ihnen ein Beispiel zu nehmen in unserer Zeit, in unseren Lebensbedingungen und -bezügen, das ist die Kunst.

Das Wort „Vorbild“ ist mir zu abstrakt wiedergegeben. Hier ist davon die Rede, dass Christus mit seinem Reden und Tun uns etwas vorgezeichnet, vorgeschrieben hat, das wir nachmalen – so, wie die Erstklässler, die auf diese Weise die Schreibschrift lernen. Von ihm und auch von denen, die vor uns gelebt haben, können wir lernen, etwas „abkupfern“, wie Leben gelingen kann.

 

In einem zweiten Bildwort spricht Petrus von den „Fußstapfen“, denen die Christen nachfolgen sollen. Manchen sind Fußstapfen der „Vorgänger“ vielleicht zu groß, anderen wiederum zu klein – sie wollen eigene Wege gehen. Petrus macht deutlich: Wir betreten nicht als Pioniere ausgesprochen selten Neuland. Vor uns sind Menschen schon diese Wege gegangen, nach uns werden Menschen ähnliche oder gleiche Trampelpfade gehen.

Ein „Trampelpfad“ zeigt an, da ist schon jemand vor uns entlang gegangen, an diesem Pfad kann ich mich orientieren – der hat sich bewährt und wird mich durch unbekanntes Terrain führen. 

Jesus Christus gibt uns Hilfe und Orientierung, damit wir lernen, unseren Lebensweg zu finden und diesen auch „gebildet“ durch Christus in Krisenzeiten zu bestehen. Der gute Hirte ist da, Jesus ist uns nahe, weil er auferstanden ist und als Herr des Lebens ewig beim Vater ist – auch wenn wir ihn nicht genauso sehen können, wie seine Begleiter damals.
Wer ihm vertraut, sich an seinem Wort orientiert und bereit ist, eine christliche Lebensweise einzuüben und seine Wege mit Jesus zu gehen, wird nicht in die Irre gehen. Darüber hinaus haben wir die Hoffnung, dass uns der gute Hirte suchen wird und finden wird, wenn wir uns in irgendeiner Sache „verstiegen haben“ und uns wieder zurückbringt, zum guten „Hirten und Bischof eurer Seelen“ (1. Petrus 2,25).

F. Eisel

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du bist unser guter Hirte. Du kennst unseren Weg und weißt wohin uns diese Corona-Krise führen wird. Wir vertrauen auf Dich. Herr, in unserem Land macht sich die Ungeduld breit und viele Menschen sehnen sich zurück zum Normalzustand unserer Gesellschaft. Gib uns Geduld und Ausdauer, damit wir dazu beitragen, eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden, indem wir in rücksichtsvoller Liebe miteinander umgehen und die schützen, die zu den Risikogruppen gehören.

Herr, sei bei den Rettungskräften und den Pflegenden. Schütze sie, dass sie sich nicht selbst infizieren und gib ihnen die Kraft, denen beizustehen, die ihre Hilfe und Zuwendung brauchen.Herr, zeige uns, wo wir helfen können und wie wir in Deiner Nachfolge unsern Nächsten Deine Liebe bezeugen können. Herr, tröste alle, die einsam oder krank sind, alle, die um den Verlust eines lieben Menschen trauern und schenke ihnen und uns Lebens-Hoffnung, weil Du mit uns gehst, uns den Weg zeigst und uns trägst, wenn unsere Kraft an ihre Grenzen kommt. Das bitten wir Dich, durch Jesus Christus, unserm Herrn. Amen

Vaterunser, …

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.

„Misericordias Domini in aeternum cantabo.“ – „Ich will singen, von der Gnade des Herrn“ (Ps 89,2)

Karl Meyer

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